Arbeitsbereich Geographische Ressourcen- und Umweltkonfliktforschung

Klimawandel, Urbanisierung, demographischer und technologischer Wandel, aber auch neue gesellschaftliche Ansprüche führen zu einer steigenden Nachfrage nach natürlichen und Geo‑Ressourcen. Dies geht mit Risiken weiterer Umweltdegradationen einher.

Gleichzeitig sind jedoch mit nachhaltigkeitsorientierten Transformationsprozessen auch soziale Auswirkungen und damit neue Konflikte verbunden, welche Fragen sozialer Gerechtigkeit aufwerfen, bislang aber noch wenig verstanden, empirisch erforscht und reflektiert sind. Daraus ergeben sich Folgen für die Legitimität der Gestaltung von Ressourcenmanagementansätzen ebenso wie für die Steuerung nachhaltigkeitsorientierter Transformationsprozesse. Zukünftig ist mit weiter zunehmenden Ressourcen‑ und Umweltkonflikten sowie mit ethischen und Zielkonflikten zu rechnen.

Ziel des Forschungsbereichs „Geographische Ressourcen‑ und Umweltkonfliktforschung“ ist es, zu einem tiefergehenden Verständnis der systemischen, komplexen und multiskalaren Zusammenhänge raumbezogener Ressourcenkonflikte beizutragen und Perspektiven für Nachhaltigkeitslösungen zu entwickeln.

Eine zentrale Annahme ist, dass die Entwicklung solcher Lösungen co‑evolutionäre Entwicklungs‑, Aushandlungs‑ und Lernprozesse erfordert, die unterschiedliche Akteursgruppen, ihre Interessen und ihr Wissen einbeziehen und zusammenführen.

Ein wesentlicher Teil der Forschungstätigkeiten konzentriert sich daher auf Fragen der Gestaltung dieser Prozesse im Zusammenspiel mit bestehenden Rahmenbedingungen, Regimestrukturen und gesellschaftlichen Diskursen sowie auf die kritische Reflexion ihrer Wirksamkeit für eine nachhaltigkeitsorientierte Entwicklung in Gesellschaft‑Umwelt‑Systemen.

Der Arbeitsbereich folgt dem multiperspektivischen Kanon sowie den integrativen und anwendungsorientierten Arbeitsweisen der Humangeographie. Er greift auf ein breites Spektrum an Methoden und Theorien zurück, darunter transdisziplinäre, transformative und empirische sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden.

Ein langfristiges Forschungsinteresse liegt zudem auf der Methodenentwicklung und der theoretischen Fundierung von Wissensintegrationsansätzen als zentralem Zugang einer Integrativen Nachhaltigkeitsgeographie.


Aktuelles

Projekttreffen von „agri:labX4 – Integrierte Agrarlandschaftsentwicklung“ (agri:change)
24. November 2025, Hannover

  
Foto: Stefan Schmidt, Daniela Kempa, Roland Pesch, Christian Albert, Tobias Plieninger, Antje Brock, Emilia Nagy, Amelie Bernzen, Maria Busse, Jana Zscheischler, Jule Huber, Jens Dauber, Svantje Löbel, Karl Martin Born

Am 24. November 2025 fand das zweite Verbundtreffen im Projekt agri:labX4 (agri:change) statt. Das Vorhaben ist im Juli gestartet und hat das Ziel, transformative Impulse für eine integrierte Agrarlandschaftsentwicklung zu entwickeln. Das Treffen diente der Arbeitsplanung und der Feinabstimmung der nächsten Forschungsschritte.
Neue Publikation zu nachhaltigem Tourismus erschienen
14. November 2025

Tourismus ist ein typisches Beispiel für Konflikte in den Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft und Umwelt. Wachstumserwartungen erzeugen Druck auf natürliche Ressourcen und Ökosysteme in Tourismusdestinationen. Trotz einer Vielzahl von Forschungsarbeiten zum Thema „nachhaltiger Tourismus“ liegt der Schwerpunkt häufig auf Strategien für grünes Wachstum.

Der Artikel betrachtet explorativ‑vergleichend und konzeptionell die Möglichkeiten von Degrowth‑Ansätzen für nachhaltigen Tourismus anhand von drei Biosphärenreservaten in Deutschland.

Witt, G., Zscheischler, J., Dabard, C. H., Mann, C., & Bernzen, A. (2025). Conceptualising destination degrowth for sustainable tourism development in three German biosphere reserves. Tourism Geographies, 1–17. https://doi.org/10.1080/14616688.2025.2581192